Nikolaus Rauch
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Die Dinge, die meinen Blick verändert haben

Bilder statt PowerPoint

Regeneration in Grün: Rissige graue Fläche mit grünen Eingriffen

Nicht nach Illustrationen von Wirklichkeit suche ich, sondern nach Bildern, die etwas sichtbar machen, das zuvor verborgen war.

Heute geschieht das mit Kamera, Pinsel und Fotografie. Die ersten Hinweise darauf fand ich jedoch bereits viele Jahre zuvor in Workshops mit Führungskräften.

Damals gehörten Präsentationen zum Alltag. Folien, Diagramme, Strategien und Kennzahlen waren sorgfältig vorbereitet und professionell gestaltet. Trotzdem hatte ich oft das Gefühl, dass etwas fehlte. Die interessantesten Gedanken entstanden selten auf den Folien. Sie entstanden meist dann, wenn Menschen begannen, ihre Situation anders auszudrücken.

Deshalb bat ich die Teilnehmer gelegentlich, ihre Situation nicht zu erklären, sondern zu zeichnen. Manchmal arbeiteten wir auch mit Tierbildern oder anderen ungewöhnlichen Formen der Visualisierung. Das war nicht ohne Risiko. Solche Methoden konnten schnell als Spielerei, als kreative Spinnerei oder als unprofessionell angesehen werden. Ich musste lernen, diese Kritik auszuhalten und trotzdem hinter dem zu stehen, was ich beobachtete.

Die Ergebnisse waren oft erstaunlich. Manche zeichneten Brücken, andere Inseln, wieder andere Mauern, Sackgassen oder komplizierte Straßennetze. Innerhalb weniger Minuten wurde sichtbar, worüber zuvor stundenlang gesprochen worden war. Ein Manager zeichnete sein Unternehmen als Burg mit tiefem Wassergraben. Ein anderer als ein Flughafen mit ständig startenden Flugzeugen, aber ohne Kontrollturm.

Niemand hatte diese Bilder vorbereitet. Gerade deshalb waren sie aufschlussreich. Je mehr ich meinen eigenen Beobachtungen vertraute, desto häufiger erlebte ich dasselbe Ergebnis. Es funktionierte. Immer wieder. Und obwohl ich es inzwischen erwarten konnte, blieb ein Teil von mir jedes Mal erstaunt.

Damals begann ich zu verstehen, dass Menschen nicht nur in Begriffen denken. Sie denken auch in Bildern, Metaphern und Geschichten. Seitdem höre ich bei Gesprächen nicht nur auf Argumente. Ich achte auch auf Vergleiche, auf Bilder, auf scheinbare Nebensächlichkeiten. Oft verraten sie mehr darüber, wie Menschen die Welt sehen, als eine perfekt formulierte Analyse.

Rückblickend hat diese Erfahrung meinen Blick weit über die Beratung hinaus verändert. Ich begann zu begreifen, dass Bedeutung häufig nicht erklärt wird, sondern sich zeigt. Sie entsteht im Raum zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir darin erkennen.

Wenn ich heute eine verwitterte Wand fotografiere oder eine Oberfläche bearbeite, suche ich deshalb nicht nach einem Motiv im klassischen Sinn. Mich interessiert der Moment, in dem etwas sichtbar wird, das zuvor übersehen wurde. Es geht mir nicht um die richtige Interpretation. Mich interessiert der Raum, der sich öffnet.

Für mich beginnt ein Bild der Regeneration in Grün mit einem Labyrinth. Mehr möchte ich darüber gar nicht sagen. Denn sobald ich es vollständig erkläre, nehme ich dem Betrachter die Möglichkeit, eigene Assoziationen, Erinnerungen und Geschichten zu entdecken.

Vielleicht haben mich die Zeichnungen damals deshalb so fasziniert. Sie zeigten nicht, was Menschen wussten.

Sie zeigten, wie sie die Welt sahen.

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