Als ich begann, an „Schneewittchen bin ich“ zu arbeiten, wollte ich zunächst eine Geschichte erzählen.
Mit der Zeit merkte ich jedoch, dass mich etwas anderes mindestens ebenso beschäftigte: die Frage, wie Erinnerungen entstehen.
Ich habe oft erlebt, dass Menschen sich an dieselbe Reise völlig unterschiedlich erinnern. Als wir Jahre später versuchten, einen Weg zu rekonstruieren, hielt sich jeder an andere Details fest. Manche erinnerten sich an eine Kreuzung, andere an ein Restaurant, wieder andere an eine Begegnung.
Manchmal kamen wir am Ende sogar an Orten heraus, an denen wir nach meiner Erinnerung nie gewesen waren.
Fotografie, Malerei und Schreiben sind für mich drei verschiedene Wege derselben Spurensuche.
Eine Spur bedeutet, dass etwas da war. Ein Mensch. Ein Gedanke. Eine Begegnung. Ein Gefühl.
Etwas, das vergangen ist und dennoch nicht ganz verschwunden ist.
Vielleicht hat mich die Arbeit am Roman deshalb nie losgelassen. Nicht wegen der Handlung. Sondern wegen der Frage, was von einem gelebten Leben bleibt und auf welchen Wegen wir es wiederfinden.