In meiner Arbeit als Coach habe ich zeitweise mit Tierfotografien gearbeitet.
Ich legte Bilder aus: einen Wolf, ein Pferd, einen Hund, einen Vogel, manchmal auch ein Tier, das nicht sofort eindeutig zu erkennen war. Die Teilnehmer sollten sich ein Tier aussuchen, eine Eigenschaft damit verbinden und anschließend erläutern, warum sie gerade dieses Tier gewählt hatten.
Die Übung hielt, was sie versprach. Es entstanden Gespräche über Persönlichkeit, Stärken, Vorlieben, Ängste und Ablehnungen.
Interessant war dabei nie das Tier selbst.
Interessant war, was die Menschen damit verbanden.
Der eine sah im Wolf Freiheit. Eine andere Bedrohung. Jemand sah im Pferd Kraft, jemand anders Sanftmut. Ein Hund kann Treue bedeuten, aber auch Abhängigkeit. Ein Vogel konnte Leichtigkeit zeigen – oder den Wunsch, endlich wegzufliegen.
Ein und dasselbe Bild ermöglichte ganz unterschiedliche Wahrnehmungen. Bilder lösen etwas aus. Sie bringen Erinnerungen, Wünsche, Ängste und Selbstbilder an die Oberfläche.
Ein Tierfoto machte in wenigen Minuten mehr sichtbar als eine lange Erklärung. Nicht, weil es eine Wahrheit enthielt, sondern weil es einen Raum öffnete, in dem neue Gedanken entstehen konnten.
Damals wurde mir noch etwas anderes bewusst. Bilder können Zusammenhänge oft schneller und unmittelbarer erfahrbar machen als viele Worte. Gleichzeitig bleiben sie offen. Jeder sieht etwas anderes. Jeder verbindet etwas anderes damit. Und trotzdem muss daraus kein Konflikt entstehen.
Diese Erkenntnis begleitet mich bis heute.
Sie hat mich auch in meiner künstlerischen Arbeit freier gemacht. Wenn Menschen in demselben Bild Unterschiedliches sehen, dann ist das kein Fehler. Es ist Teil seiner Möglichkeit.
Vielleicht interessieren mich deshalb Bilder, die nicht alles festlegen. Bilder, die Raum für eigene Gedanken lassen.
In meinem Werk Station 150.050 entdecke ich selbst bei jedem Betrachten neue Dinge.
Das Bild verändert sich nicht.
Mein Blick darauf schon.