Rückblickend begann vieles mit einer einfachen Kamera.
Mit zwölf Jahren bekam ich von meiner Großmutter eine Kodak Instamatic 33 geschenkt. In meiner Familie wurde viel fotografiert. Familienfeste, Ausflüge, Menschen, Häuser, Straßen. So griff schließlich auch ich zur Kamera.
Ein Film hatte nur vierundzwanzig Aufnahmen. Jede Aufnahme kostete Geld. Deshalb überlegte ich mir genau, wann ich den Auslöser drückte. Damals war jedes Bild eine Entscheidung.
Dann begann das Warten. Der Film musste entwickelt werden, die Abzüge ebenfalls. Oft vergingen Tage oder Wochen, bis ich die Fotos zum ersten Mal sah.
Dabei machte ich eine Entdeckung, die mich bis heute begleitet: Die Erinnerung war häufig nicht identisch mit dem Bild. Manche Dinge hatte ich anders in Erinnerung. Andere erschienen auf dem Foto plötzlich wichtig, obwohl ich sie beim Fotografieren kaum beachtet hatte.
Diese Erfahrung hat meinen Blick verändert. Ich begann zu verstehen, dass ein Bild nicht das Ende des Sehens ist. Oft begann das eigentliche Entdecken erst beim späteren Betrachten.
Die Kamera machte mich neugieriger. Ich achtete auf Dinge, die mir vorher nicht aufgefallen waren, und suchte oft nach ungewöhnlichen Motiven. Vielleicht hing das auch damit zusammen, dass bei uns zu Hause viele Geschichten erzählt wurden. Plötzlich konnte ich selbst Bilder sammeln, hinter denen Geschichten lagen.
Parallel zur Fotografie zeichnete ich ständig. Davon später mehr.
Vielleicht begann vieles von dem, was mich bis heute beschäftigt, damals – mit einer einfachen Kamera, vierundzwanzig Bildern pro Film und der Erkenntnis, dass zwischen Wirklichkeit, Erinnerung und Bild ein Raum liegt, der nie ganz zur Deckung kommt.